Brand Krefelder Zoo: Frage nach den Sicherheitsvorkehrungen

In der Neujahrs-Nacht 2020 gegen 00:40 h brach im Affenhaus des Krefelders Zoos ein Großbrand aus, der das Gebäude bis auf die Grundmauern niederbrannte. Bis auf zwei Schimpansen, Bally und Limbo, die von der Feuerwehr Krefeld in der Brandruine glücklicherweise nur leicht verletzt aufgefunden wurden, verstarben alle dreißig Affen im Gebäude. Die gesamte Gruppe der sehr seltenen Borneo-Orang-Utans wurden in dieser Nacht getötet. Es ist einfach unfassbar...

Fehlender Brandschutz?

Nun werden Fragen nach den Brandschutzvorkehrungen laut. Und diese Fragen sind berechtigt. Tatsache ist, das Gebäude wurde 1975 erstellt. Damals waren Fragen des Brandschutzes gänzlich unbekannt. Und Tatsache ist, dass das Fundament des Affenhauses aus Beton, die Konstruktion aus Stahl bestand. 

Unfassbar hierbei: Das Dach bestand aus Kunststoff und Dämmmaterial. Und damit ist die Frage beantwortet, weshalb eine Himmelslaterne das Dach derartig rasch entzünden konnte. Denn binnen Minuten stand das gesamte Gebäude lichterloh in Flammen.

Ferner muss gefragt werden, wo das Stroh etc. im Gebäude gelagert wurde.

Technischer Brandschutz: Fehlanzeige!

Das Gebäude besaß weder Rauchmelder, Sprinkleranlagen noch eine Brandmeldezentrale. Unfassbar. Begründet wird das damit, dass dies aus technischen Gründen nicht möglich sei, wegen Staubentwicklung und Temperaturunterschieden.

Nun, es existieren auch Flammenwächter, anscheinend hat der Zoo von dieser technischen “Neuheit” noch nie etwas gehört. Anders als Rauchmelder suchen diese Melder nach Flammenbilder, die typisch für Feuerentwicklung sind. Fehlalarme durch Staub entfallen hier. Der Flughafen Düsseldorf hat diese flächendeckend im Terminal verbaut. 

Auch gab es keine Sprinkleranlage, die die Brandentwicklung hätte bereits im Ansatz bekämpfen können. Begründet wird dies damit, dass durch Arbeiten eine Fehlauslösung hätte erfolgen können. Es gibt auch hier Ausführungen ohne Schmelzpatronen, die allerdings dann nicht punktuell, sondern flächendeckend löschen, aber Hauptsache, die Brandentwicklung wird eingedämmt. Allerdings war diese aktive Brandeindämmung 1975 nicht Standard.

Die Frage nach der Existenz einer Brandmeldeanlage ist damit auch hinfällig, diese gab es nicht. 

Automatische Notöffnung der Käfige im Brandfall: Fehlanzeige!

Mit dieser Brandmeldeanlage wäre zumindest eine automatische Notöffnung der Käfige und des Ausganges möglich gewesen, obwohl dies auch ohne diese möglich gewesen wäre. Wenn man schon kein Geld für eine technische Nachrüstung des Brandschutzes ausgab, sollte diese ethische Lösung vorhanden sein. 

Wachdienst für Silvester

Gab es einen Wachdienst für Silvester oder überhaupt für die Nacht? Kann dort Jedermann über den Zaun steigen und nachts im Zoo Unfug treiben? Gerade zu Silvester mit der Gefahr einer Brandbildung im Zoo denke ich, muss ein Wachdienst Streife gehen. Im jugendlichen Überschwang treiben sich Jugendliche bestimmt im Zoo herum.

Und der Wachdienst kann eingreifen, wenn sich irgendwo ein Brand entwickelt. Da Anwohner die Feuerwehr riefen, was vermutlich kein Wachdienst vor Ort.

Man muss überall mit einer Brandentwicklung rechnen, gerade in Tiergehegen mit Stroh. Und wenn Gebäude aus dem Jahr 1975 stammen und gänzlich fehlenden Brandschutzeinrichtungen. Und gerade dann, wenn an Silvester fliegende Brandbomben unterwegs sind, die ein Kunststoffdach entzünden können.

Kann man dem Zoo Vorwürfe machen? Ja. Er hätte zumindest das Kunststoffdach entfernen können, wenn man schon im Brandschutz nicht investiert. Allerdings rechnet man am Silvester ehe mit Raketen als mit fliegendem offenen Feuer.

So kamen zwei Ursachen zusammen, die in eine Katastrophe enden. Zum Leidwesen der eingesperrten Tiere, die sich nicht befreien konnten.

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